Was geht ab? Schüler/innen aus Floridsdorf entwickeln Ideen für eine nachhaltige Mobilität

Activity
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Situation

„Was geht ab?“ ist ein Bildungsprojekt, das umgesetzt wird, um Wiener Schulkindern das Thema einer nachhaltigen Alltagsmobilität näher zu bringen und im Gegenzug Informationen dazu zu sammeln, wie Kinder Mobilität und Verkehrsmittel bewerten. Ziel ist es, aktuellen problematischen Trends entgegenzuwirken: So zeigen Studien deutlich, dass das „Elterntaxi“ in der Mobilität von Kindern an Bedeutung gewinnt. Damit einher geht eine abnehmende selbstständige Mobilität von Kindern. Grund dafür ist unter anderem die wachsende Motorisierung der Gesellschaft und den damit verbundenen gefährlichen Verkehrswegen sowie fehlenden Spielflächen im Freien. Das führt auch dazu, dass Kinder ihre Freizeit oft daheim verbringen, ihre Schulwege seltener nicht motorisiert zurücklegen und sich insgesamt körperlich unzureichend bewegen. Die Effekte dieser Entwicklungen zeigen sich in steigenden Verbreitungsraten von Übergewicht und Fettleibigkeit bei Kindern.

Solution

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Motorisierung, mangelnder Bewegung junger Menschen und dem Wissen um frühzeitige Prägung des Verhaltens werden im Projekt „Was geht ab?“ Schüler/innen aus 5 Schulen in Wien Floridsdorf zu einem nachhaltigen und gesundheitsfördernden Mobilitätsverhalten motiviert. Entwickelt wurde die Projektidee im Rahmen der 5. Talente regional Ausschreibung (BMVIT) vom Institut für Verkehrswesen der BOKU gemeinsam mit den Schulen, einer Verkehrspsychologin (sicher unterwegs) und einer Landschaftsplanerin (MK Landschaftsarchitektur), um die Berücksichtigung verschiedener Interessen und Anliegen zu gewährleisten. Auch der 10. Wiener Gemeindebezirk unterstützt dieses Projekt. Die Schüler/innen aus fünf Klassen (3 Volksschulen, 1 Gymnasium, 1 Neue Mittelschule) setzen sich im Projekt intensiv mit der bebauten Umwelt und dem Mobilitätsverhalten auseinander. Dazu untersuchen sie ihr Schulumfeld zu Themen wie Verkehrssicherheit, Verständlichkeit, Barrierefreiheit aber auch subjektiv wahrgenommener Ästhetik. Die Schüler/innen werden für die Anliegen aller Verkehrsteilnehmer/innen sensibilisiert. Die Dokumentation ihrer Untersuchung erfolgt über eine digitale Karte. Mit der „Was-geht-App“ können Fotos von beliebten oder gefährlichen Plätzen und Straßen hochgeladen und beschrieben werden. Die Karte soll auch nach Ende des Projekts erweitert werden. Eine Stichtagserhebung zum eigenen Mobilitätsverhalten bietet den Ausgangspunkt für die Selbstreflexion und für die Auseinandersetzung mit den Themen Umwelt- und Gesundheitswirkungen. Alle im Projekt gesammelten Daten werden von den Schüler/innen verwendet, um eine Mobilitätsstrategie für ihre Schule zu entwickeln. Darin sollen Mitschüler/innen, Lehrer/innen und Eltern angesprochen werden und auch die Bezirksvorstehung wird dazu eingeladen, die Untersuchungsgebiete einmal aus Kinderaugen zu betrachten. Über Kooperationszuschüsse für zehn weitere Schulen soll ein Multiplikatoreneffekt erreicht werden, indem das Projektteam auch dort Veranstaltungen zum Thema Mobilität durchführt. In allen Schulen wird dabei den Kindern das Leitbild der BOKU als Universität des Lebens näher gebracht.

In diesem Projekt werden Schüler/innen dazu angeregt, das Thema „Mobilität“ fächerübergreifend zu begreifen. Damit geht das Projekt weit über eine konventionelle Verkehrserziehung hinaus und stützt sich auf folgende drei grundlegende Prinzipien:

  1. AKTIV STATT PASSIV: Die Schüler/innen sind nicht nur passive Zuhörer/innen, sondern sie werden durch gemeinsames Erleben und praktisches Gestalten des eigenen Umfeldes in das Projekt involviert. Die Schüler/innen können selbst mitgestalten und Maßnahmen für eine aktive, sichere und umweltfreundliche Mobilität entwickeln. Die von ihnen entwickelten Maßnahmen werden teilweise umgesetzt bzw. getestet und somit für ihre Mitschüler/innen, die Eltern und den Lehrkörper erlebbar gemacht.
  2. TRANSDISZIPLINÄR STATT MONODISZIPLINÄR: Den Schüler/innen werden transdisziplinäre Zusammenhänge und Wirkungsketten vermittelt. Hier spielen insbesondere Umwelt- und Gesundheitsaspekte, Verkehrssicherheit und Technik eine Rolle. Das Thema Mobilität eignet sich besonders gut, da es an Alltagserfahrungen der Kinder anknüpft.
  3. WIR STATT ICH: Neben der Ich-Perspektive steht vor allem die Wir-Perspektive im Mittelpunkt des Projektes. Das bedeutet, dass die Auswirkungen des eigenen Verhaltens auf die Gesellschaft und die inklusive Mobilität eine Rolle spielen. Schüler/innen erleben, wie es sich anfühlt, mit Rollstuhl oder Sehbehinderung mobil zu sein und welche Herausforderungen diesbezüglich das Verkehrssystem mit sich bringt.

Die gesammelten Daten werden wiederum von den Wissenschaftler/innen verwendet, um zu analysieren, wie die Mobilität der Kinder aussieht und wie sie diese selbst einschätzen, wie sie verschiedene Verkehrsmittel und ihr Schul- bzw. Wohnumfeld hinsichtlich verschiedener Kriterien bewerten und wie viel sich die Kinder im Alltag bewegen. Dies sind wichtige Grundlagen, um Maßnahmen zur Gestaltung des öffentlichen Raumes zu entwickeln, die Kinder dazu bringen, selbstständiger und aktiver mobil zu sein. Die Bewusstseinsbildung erfolgt also entlang von mehreren Pfaden: von Wissenschaftler/innen zu den Kindern und von den Kindern zu Wissenschaftler/innern, Eltern, Lehrer/innen und der Bezirksvorstehung. Um eine möglichst große Reichweite zu erzielen, ist angedacht, das Projekt bei geeigneten Fördermöglichkeiten zu einem Citizen Science Projekt auszubauen.

Weitere Informationen zum Projekt „Was geht ab?“ finden Sie auf der Projekthomepage: http://was-geht-ab.at/

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Created by  Tina Uhlmann 4 months ago
Co-Author Juliane Stark
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