Projekt Roadkill

Activity
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Situation

Straßen zerschneiden die Lebensräume vieler Tierarten. Tiere überqueren Straßen, wenn sie z.B. auf Nahrungssuche sind, sich Paarungspartner suchen oder wenn sie zwischen Winterquartier und Sommerquartier wechseln. Tierarten, die diese Migrationen durchführen, sind daher von Roadkill besonders häufig betroffen. Als Roadkill werden alle im Straßenverkehr zu Tode gekommenen Tiere bezeichnet. Der deutsche Begriff Wildunfall greift hier zu kurz, denn offizielle Statistiken zu getöteten Tieren im Straßenverkehr werden nur zu „jagdbarem Wild“ erhoben. Daten zu allen anderen Tierarten – auch zu gefährdeten Tierarten – fehlen. Auch für den Menschen hat Roadkill Relevanz – Tiere auf der Fahrbahn stellen für Autofahrerinnen und Autofahrer eine große Gefahr und auch eine große ethische Belastung dar.

Solution

Zur Zeit gibt es nur offizielle Statistiken zu jagdbarem Wild, die belegen, dass alleine im Jahr 2016 mehr als 70.000 Tiere auf österreichischen Straßen getötet wurden. Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit und Versicherungsverband Österreich passiert alle 7 Minuten ein Wildunfall, und im Jahr 2015 geschahen 304 Unfälle mit Personenschaden.
Im “Projekt Roadkill” werden Daten von im Straßenverkehr zu Tode gekommenen Tieren über einen Citizen Science Ansatz Initiative gesammelt. Citizen Science ist eine wissenschaftliche Methode, bei der Laien Daten erheben, die durch WissenschaftlerInnen analysiert werden und in aufbereiteter Form wieder der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Die Teilnahme ist für alle offen, die sich im Straßenverkehr bewegen. Die gewonnenen Daten werden zur Erreichung von vier Hauptzielen verwendet:

  1. Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn und Publikationen in einschlägigen Fachjournalen.
  2. Sensibilisierung der teilnehmenden Personen und der Bevölkerung für das Thema Roadkill durch populärwissenschaftliche Artikel, Medienauftritte sowie Veranstaltungen.
  3. Identifizierung von Roadkill Hotspots und möglicher Entschärfung derselben in Kooperation mit NGOs und öffentlichen Einrichtungen.
  4. Implementierung der Daten in Navigationsgeräte um vor neuralgischen Straßenabschnitten warnen zu können.

Unser klares, übergeordnetes Ziel ist die Anzahl an Roadkills so weit wie möglich zu reduzieren, indem wir den Ursachen der Roadkills auf den Grund gehen, und damit die Sicherheit für Tiere und Menschen auf der Straße zu erhöhen.

Das Projekt Roadkill ist ein Forschungsprojekt, welches am Institut für Zoologie, der Universität für Bodenkultur Wien 2014 gestartet wurde. Die Betreuung erfolgt im Moment hauptsächlich durch Freiwilligenarbeit von Studierenden.
Bisher werden die Apps für Android und iOS von 640 TeilnehmerInnen genutzt. Weltweit wurden seit 2014 fast 5000 Tiere in die Datenbank eingetragen. Zwei wissenschaftliche Publikationen, zahlreiche Präsentationen auf Konferenzen und Medienauftritte in unterschiedlichsten Formaten wurden absolviert. Darunter Radio- und Fernsehauftritte, sowie Berichte in Tageszeitungen im In-und Ausland. Zusätzlich wird jeweils eine Facebook-, Twitter- und Instagramseite betreut um verschiedenste Zielgruppen anzusprechen.

Informationen zum Projekt finden Sie auf:
http://roadkill.at/
https://www.facebook.com/project.roadkill
https://twitter.com/ProjektRoadkill
https://www.instagram.com/projectroadkill/

Contributions

Ferdinand Schmeller
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